Zahnbehandlungsphobie: Ursachen, Folgen und Auswege
Ein mulmiges Gefühl vor dem Zahnarztbesuch kennen viele Menschen – Schätzungen zufolge etwa 60 bis 80% der Bevölkerung. Wird die Angst jedoch so stark, dass Zahnbehandlungen grundsätzlich vermieden werden, spricht man von einer Dentalphobie. Diese gilt als psychische Erkrankung (spezifische Phobie, F40.2) und kann erhebliche gesundheitliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Abgrenzung: Angst vs. Phobie
Leichte Zahnarztangst bedeutet meist ein erhöhtes Anspannungslevel vor dem Termin. Bei einer Dentalphobie hingegen werden Zahnarztbesuche komplett vermieden – selbst bei stärkeren Schmerzen. In Deutschland betrifft dies etwa fünf Millionen Menschen (laut Deutscher Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie).
Wie äußert sich Dentalphobie?
Symptome zeigen sich teils schon Wochen vor dem Zahnarztbesuch:
- psychisch: Panik, Scham, innere Anspannung
- physiologisch: Zittern, Schwindel, Schwitzen, Übelkeit, Atembeschwerden, Herzrasen, Schlafprobleme
- Verhalten: häufiges Verschieben oder Absagen, im Extremfall Flüchten aus der Behandlungssituation
Bereits die gedankliche Vorstellung der Behandlungssituation kann starke Stressreaktionen hervorrufen.
Typische Auslöser
Die Ursachen sind individuell, oft wirken mehrere Faktoren zusammen:
- Einfluss negativer Erfahrungen von Bezugspersonen
- frühere negative Erlebnisse beim Zahnarzt
- Angst vor Spritzen oder Schmerz
- Gefühl der Hilflosigkeit während der Behandlung
- laute, schrille Geräusche von Zahnarzt-Instrumenten
- Scham über die eigene Mundhygiene
- Atembeschwerden oder Würgereiz durch die verwendeten Instrumente
- unzureichende Aufklärung über Behandlungsschritte
Konsequenzen bei Vermeidung von Zahnarztbesuchen
Das langfristige Vermeiden von Behandlungen führt häufig zu …
… fortschreitenden Zahnschäden und Zahnverlust (z.B. aufgrund von unbehandelter Karies).
… aufwendigeren und teureren Eingriffen, da spätere Behandlungen in der Regel deutlich komplexer sind.
… Entzündungen im Mundraum mit dem Risiko von Auswirkungen auf den gesamten Körper.
… Problemen beim Sprechen und Essen.
… unangenehmem Mundgeruch.
Was hilft bei Dentalphobie?
Ein individueller Behandlungsansatz kann die Angst deutlich reduzieren. Die folgenden Punkte sind hierbei wichtig:
- frühzeitige Kommunikation seiner Ängste
- Wahl von auf Angstpatienten spezialisierten Praxen
- schmerzreduzierende Maßnahmen wie lokale Betäubung oder Betäubungssprays, bei Bedarf auch Dämmerschlaf oder Vollnarkose
- Transparenz in den Behandlungsabläufen und vereinbarte Signale, so dass Betroffene die Behandlung jederzeit unterbrechen können
- mentale Unterstützung durch Musik oder die Anwesenheit einer Vertrauensperson
- therapeutische Begleitung (bei Angststörungen ist in der Regel die kognitive Verhaltenstherapie die Methode der Wahl)
Regelmäßige Zahnarzttermine – am besten direkt im Anschluss an eine Behandlung vereinbart – können dem Aufschiebe-Impuls entgegenwirken. Die professionelle Zahnreinigung, welche zweimal jährlich durchgeführt werden sollte, bietet einen vergleichsweise harmlosen Einstieg in eine kontinuierliche zahnärztliche Betreuung.